2015 aktuell 04/2010 – 03. Mai 2010
Inhalt:
1. EU legt MDG-Aktionsplan vor
2. Frühjahrstagung von IWF und Weltbank
3. G8-Entwicklungsminister für mehr Mütter- und Kindergesundheit
4. OECD-Zahlen: Deutschlands Hilfe gesunken
5. Klimaverhandlungen laufen weiter
6. Weltbank: Fortschritte und Defizite bei MDG-Umsetzung
7. FIAN kritisiert Landraub und Vertreibung
8. Kritik an Agrarsubventionen
9. Müttersterblichkeit leicht gesunken
10. Weltmalariatag


1. EU
1. EU legt MDG-Aktionsplan vor
EU
Die EU-Kommission hat im April zusammen mit einem Bericht über Fortschritte und Herausforderungen bei der Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele (MDG) einen Zwölf-Punkte-Aktionsplan vorgelegt. Der Bericht „Progress made on the Millennium Development Goals and key challenges for the road ahead“ analysiert, unter welchen Bedingungen Fortschritte bei den MDG erreicht wurden und benennt neun zentrale Herausforderungen. Dazu zählen die Bewältigung der Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, die bessere Nutzung des Potenzials des Privatsektors, die Konzentration auf die Ziele und Länder, bei denen am wenigsten Fortschritte erzielt wurden sowie die Themen soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte. Der Bericht bildet die Grundlage für die Positionierung der EU zum UN-MDG-Gipfel im September in New York. Am 18. Juni soll das Papier vom Europäischen Rat beschlossen werden.
In dem Zwölf-Punkte-Aktionsplan werden die EU-Mitgliedsstaaten zur Einhaltung ihrer entwicklungspolitischen Zusagen und einer schnelleren Umsetzung der UN-Millenniumsziele aufgefordert. Die EU-Kommission ruft die Mitgliedsstaaten dazu auf, jährliche Aktionspläne zu erstellen, die konkrete Maßnahmen zur Erreichung der 2015-Ziele beinhalten. Der Stand der Umsetzung soll jährlich überprüft werden. Der Aktionsplan zielt darauf ab, durch eine engere Zusammenarbeit zwischen der Kommission und den Mitgliedsstaaten die europäische Entwicklungszusammenarbeit effektiver und zielgerichteter zu gestalten und sie vor allem auf die MDG und Länder zu beziehen, die bisher die geringsten Fortschritte zu verzeichnen haben. Dazu gehören insbesondere fragile Staaten. Alle Politikfelder der EU sollen kohärent auf die Ziele der Entwicklung und der Armutsbekämpfung ausgerichtet werden. Schließlich will die EU ihre Partnerschaften mit den ärmeren Ländern weiterentwickeln, um Klimawandel, steigende Lebensmittelpreise und zunehmende Fluchtbewegungen zu bekämpfen und Sicherheit sowie Finanzstabilität zu erreichen.
Auf Unterstützung stieß der MDG-Aktionsplan der EU bei der UN-Millenniumskampagne. Begrüßt wurden insbesondere die Vorschläge, nationale Pläne vorzulegen, wie die Hilfszusagen erreicht werden können und diese jährlich zu überprüfen. „Es muss eine gegenseitige Kontrolle stattfinden mit konkreten Maßnahmen und Indikatoren, an denen sich der Fortschritt messen lässt, damit sich die Regierungen nicht aus der Verantwortung stehlen können“, betonte Renée Ernst, die Leiterin der UN-Kampagne in Deutschland.
Auch die internationale Allianz katholischer Entwicklungsorganisationen CIDSE begrüßte den EU-Aktionsplan. Sie erklärte allerdings auch, dass der Plan nicht weit genug gehe, um die MDG zu erreichen. So übe die EU nicht genug Druck auf die Mitgliedsstaaten aus, ihre Verpflichtungen einzuhalten, bis zum Jahr 2015 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BNE) für Entwicklungshilfe (ODA) zur Verfügung zu stellen. CIDSE kritisiert, dass das Problem der durch die Wirtschaftskrise zunehmenden Verschuldung vieler ärmerer Länder und die Notwendigkeit von Schuldenstreichungen im EU-Plan nicht vorkommen. Ebenso fehlt eine klare Aussage zur Einführung innovativer Finanzierungsinstrumente, vor allem einer Finanztransaktionssteuer, wie sie von vielen europäischen Nichtregierungsorganisationen (NRO) gefordert wird.
Das europäische Bündnis der Entschuldungsinitiativen EURODAD bescheinigt der EU-Kommission zwar Schritte in die richtige Richtung, wie zum Beispiel mit dem Vorschlag der Einführung nationaler ODA-Aktionspläne, vermisst aber konkrete Empfehlungen zu den Themen Verhinderung von Kapitalflucht, Lösungen der Verschuldungsprobleme und Reform der internationalen Finanzinstitutionen. Außerdem fehlt EURODAD zufolge eine klare Aussage, dass die notwendigen Mittel zur Klimafinanzierung zusätzlich zu den Entwicklungshilfeleistungen (ODA) zu erbringen sind.


2. IWF Weltbank
2. Frühjahrstagung von IWF und Weltbank
IWF Weltbank
Der Entwicklungsausschuss der Weltbank hat während der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank vom 24. bis 25. April 2010 beschlossen, die Stimmrechte für Schwellen- und Entwicklungsländer um rund drei Prozentpunkte auf 47 Prozent zu erhöhen. Der Beschluss zu einer Umverteilung der Stimmrechte innerhalb der Weltbank war bereits auf der Jahrestagung 2009 getroffen worden, um den Einfluss von Schwellenländern an ihr weltwirtschaftliches Gewicht anzupassen. Die jetzt unter anderem auf der Grundlage des Bruttoinlandsprodukts berechneten Stimmrechtsanteile verschaffen China ein deutlich erhöhtes Gewicht in der Weltbank. Nach den USA und Japan nimmt China nun den drittgrößten Stimmenanteil in der Weltbank ein. Deutschlands Stimmenanteil wurde durch die Reform geringfügig auf 4,4 Prozent reduziert. Außerdem wurde auf der Frühjahrstagung eine Kapitalerhöhung von über fünf Milliarden US-Dollar beschlossen.
Die in der Gruppe der G24 zusammengeschlossenen Schwellen- und Entwicklungsländer erklärten die beschlossene Stimmrechtsreform für unzureichend. Die Krise habe die Notwendigkeit grundlegender Reformen innerhalb der Internationalen Finanzinstitutionen deutlich gemacht. Da die Legitimität, die Bedeutung und die Wirksamkeit des IWF von einer Korrektur des Ungleichgewichts im Bereich der Stimmrechte abhänge, müsse eine weitreichende und ehrgeizige Umverteilung von Stimmen vorgenommen werden. Sie forderten eine Umverteilung von sieben Prozent der Stimmen von Industrie- zu Schwellen- und Entwicklungsländern, von der primär wirtschaftlich dynamische Länder profitieren sollten. Die Mitbestimmungsrechte von Niedrigeinkommensländern sollten bei einer IWF-Reform jedoch geschützt werden.
NRO forderten die Weltbank auf, gleichberechtigte Stimmrechtsanteile für Industrie- und Entwicklungsländer einzuführen. Diese sollten von einem Zeitplan zu weiteren Reformen auf der Grundlage demokratischer Prinzipien begleitet werden. Nach Berechnungen des NRO-Netzwerks The Bretton Woods Project sind Industrieländer auch nach der Stimmrechtsreform in der Weltbank deutlich überrepräsentiert, da sie über 60 Prozent der Stimmrechte verfügen. Niedrigeinkommensländer haben dagegen nur sechs Prozent der Stimmrechte, obwohl sie 80 Prozent der Weltbevölkerung stellen, die zu einem Großteil in den Haupteinsatzgebieten der Weltbank leben und durch die Kreditrückzahlungen die wichtigsten Geber der Weltbank sind.
Im Vorfeld der Frühjahrstagung war ein Entwurf des IWF-Berichts an die G20-Staaten bekannt geworden, in dem der Fonds von der Einführung einer Finanztransaktionssteuer abrät. Stattdessen empfiehlt der Bericht eine Bankenabgabe sowie eine Steuer auf Profite und Vergütungen. Das Kampagnenbündnis „Steuer gegen Armut“ bewertete den Entwurf des Berichts als halbherzig. Obwohl er die Finanztransaktionssteuer als Mittel zu einem hohen Steueraufkommen und zur Eindämmung von Spekulationen anerkenne, spreche er sich gegen ihre Einführung aus. Das Argument, dass die Steuer eine dauerhafte Maßnahme sei und deshalb nicht in das Mandat der G20-Staaten falle, sei besonders platt. Auch die Realwirtschaft werde durch eine solche Steuer nicht, wie der Bericht konstatiert, belastet. Im Gegenteil, durch eine gesenkte Volatilität würde das Risiko an den Märkten reduziert, wovon die Realwirtschaft profitiere. Die Kampagne rief dazu auf, den Druck auf den IWF zu erhöhen, damit der vorgelegte Entwurf bis zum G20-Gipfel in Toronto noch korrigiert werden kann und warb für ihre elektronische Unterschriftenaktion zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer.
Zur Frühjahrstagung veröffentlichten IWF und Weltbank außerdem den „Global Monitoring Report 2015: The MDGs after the Crisis“. Der Bericht analysiert die Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise auf die Umsetzung der MDG und zeigt auf, dass der Fortschritt bei der Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern durch die Krise deutlich verlangsamt wurde. Nach Berechnungen des Berichts hat die Krise zur Folge, dass im Jahr 2015 53 Millionen Menschen mehr in extremer Armut leben werden als erwartet. Nichtsdestotrotz gehen die Autoren davon aus, dass das erste MDG zur Halbierung der Einkommensarmut weltweit, erreicht werden kann. Die Zielvorgabe zur Halbierung des Anteils hungernder Menschen bis 2015 hat jedoch kaum Chancen realisiert zu werden. Zurzeit leiden über eine Milliarde Menschen unter Hunger und Unterernährung. Verantwortlich für Rückschritte bei der Hunger- und Armutsbekämpfung sind nach Aussagen der Weltbank die Auswirkungen der Nahrungs- und Finanzkrise. Erforderlich sind laut Bericht eine starke finanzielle Unterstützung durch externe Geber sowie interne Reformen der Entwicklungsländer, die die Krisenfolgen abfedern.


3. G8 Entwicklungsminster
3.G8-Entwicklungsminister für mehr Mütter- und Kindergesundheit
G8 Entwicklungsminister
Die Stärkung der Rechenschaftspflicht und der Effektivität in der Entwicklungszusammenarbeit, die Verbesserung der Mütter- und Kindergesundheit sowie die weltweite Ernährungssicherung standen im Mittelpunkt des Treffens der G8-Entwicklungsminister, das vom 27. bis 28. April in Halifax, Kanada stattfand. In seiner Abschlusserklärung betonte der Vorsitzende der Konferenz, Kanadas Minister für internationale Zusammenarbeit Beverley J. Oda, dass die bestehenden Verpflichtungen zur Erhöhung der Wirksamkeit der Entwicklungshilfe durch verstärkte politische Anstrengungen umgesetzt werden müssen. So müsse die Koordination der Zusammenarbeit verbessert, die Transparenz erhöht, die Transaktionskosten gesenkt und die Verantwortung der Partnerländer für einen effektiven Einsatz der internationalen Hilfe gestärkt werden.
Entwicklungsminister Dirk Niebel begrüßte den kanadischen Vorschlag, die Verbesserung der Mütter- und Kindergesundheit zu einem zentralen Thema des diesjährigen G8-Gipfels, der Ende Juni in Kanada stattfinden wird, zu machen. „Wenn in Afrika immer noch jede 26. Frau an den Folgen von Schwangerschaft oder Geburt stirbt, dann verdeutlicht das die Dringlichkeit einer G8-Initiative. Deutschland setzt sich in diesem Zusammenhang für einen ganzheitlichen Ansatz ein, der die Stärkung der Gesundheitssysteme genauso umfasst wie sexuelle und reproduktive Gesundheit“, so Minister Niebel. Was die Ernährungssicherung betrifft, so bekräftigte Niebel seine Unterstützung für die beim letzten G8-Gipfel in l`Aquila beschlossene Initiative und bestätigte die Zusage von Bundeskanzlerin Merkel drei Milliarden US-Dollar für Ernährungssicherung bis zum Jahr 2013 zur Verfügung zu stellen. Für die Erreichung der MDG bis 2015 setze sich Deutschland mit Nachdruck ein. Dabei gehe es aber, betonte Niebel, nicht nur um die öffentliche Entwicklungsfinanzierung, sondern auch um die Mobilisierung eigener Ressourcen der Entwicklungsländer durch effiziente Steuersysteme und förderliche Rahmenbedingungen für die Privatwirtschaft in den Partnerländern.
Im Vorfeld des Treffens hatten Nichtregierungsorganisationen wie die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) darauf gedrängt, dass die Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Kindern in Entwicklungsländern einen zentralen Stellenwert beim kanadischen G8-Gipfel einnehmen muss. Sie forderte, dass Minister Niebel sich dafür stark macht, Familienplanung und Verhütung zum festen Bestandteil der Bemühungen zur Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit zu machen. Kanada hatte zwar eine Initiative zur Förderung der Gesundheit von Müttern und Kinder für das nächste G8-Treffen in Aussicht gestellt, Familienplanung und Verhütung davon aber zunächst ausgenommen.


4. OECD-Zahlen
4. OECD-Zahlen: Deutschlands Hilfe gesunken
OECD

- © Lif...
Deutschland wird in diesem Jahr seine Versprechen zur Erhöhung der Entwicklungshilfe nicht einhalten. Nach Zahlen, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im April veröffentlichte, ist Deutschlands Hilfe für die ärmeren Länder im Jahr 2009 um zwölf Prozent auf weniger als zwölf Milliarden US-Dollar gesunken. Das entspricht einem Anteil von 0,35 Prozent am BNE (2008: 0,38 Prozent). Als Ursache dafür bezeichnet die OECD den Wegfall von Schuldenerlassen, die in den vorangegangen Jahren zu einem starken Anstieg der ODA-Quote geführt hatten. Nach OECD-Prognosen wird Deutschland im laufenden Jahr nur 0,4 Prozent des BNE für Entwicklungshilfe zur Verfügung stellen. Deutschland hatte sich ebenso wie andere Länder dazu verpflichtet, im Jahr 2010 mindestens 0,51 Prozent des BNE für diesen Zweck aufzubringen. Insgesamt ist die Entwicklungshilfe der Industrieländer weltweit im Jahr 2009 um 0,7 Prozent auf 119,6 Milliarden US-Dollar gestiegen und erreichte damit im Durchschnitt 0,31 Prozent des BNE der OECD-Länder. Im Gegensatz zu Deutschland haben die fünf EU-Staaten Schweden, Luxemburg, Dänemark, die Niederlande und Belgien das 0,7 Prozent-Ziel bereits erreicht, während Länder wie Italien, Irland und Österreich ihre Hilfe zurückgefahren haben. Der Vorsitzende des OECD Entwicklungsausschusses (OECD-DAC), Eckhard Deutscher betonte, dass die klare Mehrheit der DAC-Mitgliedsstaaten ihre Hilfszusagen auch angesichts der Wirtschaftskrise einhalten.
Nach Angaben der EU-Kommission sind die Entwicklungshilfeleistungen der 27 EU-Staaten im Jahr 2009 auf rund 49 Milliarden Euro zurückgegangen, dies entspricht einem Anteil von 0,42 Prozent des BNE. Damit drohen, so die Kommission, die EU-Staaten das angestrebte Ziel zu verfehlen, im Jahr 2010 mindestens 0,56 Prozent ihres BNE für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen. EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs forderte die Mitgliedsländer auf, bis September 2010 Aktionspläne vorzulegen, die zeigen, wie die Entwicklungsausgaben erhöht werden können. Vor allem Italien, Griechenland, Portugal und Österreich müssten deutlich mehr leisten. Deutschland müsste jährlich zwei Milliarden Euro mehr zahlen, um das UN-Ziel zu erreichen.
Entwicklungsminister Dirk Niebel erklärte, dass Deutschland zu seinem Ziel stehe, die Entwicklungshilfe, wie international vereinbart, bis 2015 auf 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung zu steigern. Obwohl das eine große Herausforderung darstelle, sei Deutschland mit dem neuen Haushalt für 2010 auf dem Weg in die richtige Richtung. Gleichzeitig soll die Wirksamkeit der Entwicklungspolitik gesteigert werden. Vorwürfe der Opposition, dass das BMZ Rechentricks anwende und Zahlungen bewusst in das Jahr 2010 gelegt habe, um seine eigene Bilanz zu verbessern, wies Niebel scharf zurück.
NRO kritisierten, dass die Bundesregierung die Ausgaben für Entwicklungshilfe künstlich hochrechne. Der Vorsitzende des Verbands Entwicklungspolitik deutscher NRO (VENRO) Ulrich Post warf der Bundesregierung vor, ebenso wie die früheren Regierungen „alle möglichen Tricks“ angewandt zu haben, um die ODA-Quote zu erhöhen. Er kritisierte insbesondere die Einrechnung von Entschuldungsmaßnahmen und von Studienplatzkosten für ausländische Studierende.
Die Entwicklungsorganisation Oxfam sprach von einem Offenbarungseid. “Von dem Ziel, die Entwicklungshilfequote bis 2010 auf 0,51 Prozent zu erhöhen, hatte sich die Bundesregierung ja kürzlich schon verabschiedet. Dass die Quote nun aber auch noch gesunken ist, ist ein Skandal“, erklärte Tobias Hauschild von Oxfam. Die bereits unter den Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise leidenden armen Länder werden durch Kürzungen der Entwicklungshilfe zusätzlich bestraft. Wenn allein von deutscher Seite zwei Milliarden US-Dollar weniger zur Verfügung stehen, habe dies gravierende Auswirkungen, erklärte Hauschild. Mit zwei Milliarden Dollar ließen sich zum Beispiel Medikamente finanzieren, die das Überleben von 800000 Müttern und Kindern sichern könnten.


5. Klimaverhandlungen
5. Klimaverhandlungen laufen weiter
Klimaverhandlungen
Von 9. bis 11. April 2010 fand in Bonn die erste UN-Klimaverhandlungsrunde im Jahr 2010 statt. Mehr als 1.700 Delegierte aus 175 Ländern verständigten sich dabei darauf, die Verhandlungen bis zur nächsten Klimakonferenz in Mexiko im Dezember dieses Jahres zu intensivieren. Ziel des neuen Verhandlungsprozesses ist es, in Mexiko ein Klimaabkommen zu verabschieden, dass das im Jahr 2012 auslaufende Kyotoabkommen ersetzt. Dies war der Staatengemeinschaft auf der letzten Klimakonferenz in Kopenhagen im November 2009 nicht gelungen. Der Generalsekretär der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), Yvo de Boer, erklärte, dass die Konferenz von Mexiko eine funktionierende Umsetzungsstruktur für den globalen Kampf gegen den Klimawandel, insbesondere in Entwicklungsländern, schaffen müsse. Die Verhandlungen im Verlauf dieses Jahres müssten Fortschritte insbesondere in den Bereichen Bekämpfung des Klimawandels, Anpassungsmaßnahmen, Technologietransfer, Klimafinanzierung sowie Abholzung und Kapazitätsaufbau bringen.
Die Umwelt- und Entwicklungsorganisationen Germanwatch, Oxfam, WWF und das internationale Netzwerk TckTckTck erinnerten mit dem Aufsammeln von Scherben zu Beginn der Bonner Klimaverhandlungsrunde symbolisch an die gescheiterte Konferenz von Kopenhagen. „Kopenhagen hat einen Scherbenhaufen der internationalen Klima-Diplomatie hinterlassen“, erklärte Jan Kowalzig, Klima-Experte bei Oxfam. „Trotz einiger positiver Aspekte waren die Ergebnisse von Kopenhagen bei weitem nicht ausreichend, um der Bedrohung durch den Klimawandel gerecht zu werden“, so Sven Harmeling, Referent für Klima und Entwicklung bei Germanwatch. Die Folgen des Klimawandels sind bereits heute spürbar. „Daher muss bei der konkreten Finanzierung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels nachgelegt werden“ meint Harmeling. „Bis zur Klimakonferenz in Mexiko muss es gelingen, sich auf die Einführung innovativer Finanzinstrumente zu einigen.“ Die in Cancún stattfindende Klimakonferenz könnte den Grundstein für ein umfassendes, rechtlich verbindliches Abkommen legen. In der ersten Verhandlungsrunde in Bonn sollten die Regierungen daher einen konkreten Plan erstellen, um bei den Themen Technologietransfer, Anpassung an die Folgen des Klimawandels und Reduktion der Emissionen durch Entwaldung (REDD) in Cancún Einigkeit zu erzielen.
Ungefähr zwei Wochen nach den Bonner Klimaverhandlungen fand in Cochabamba die "Weltkonferenz über Klimawandel und Rechte der Mutter Erde" statt. Vom 19. bis 22. April diskutierten bei diesem alternativen Klimagipfel Vertreterinnen und Vertreter sozialer Bewegungen aus 136 Ländern Wege, um die Klimapolitik auf einen gerechteren und verbindlicheren Kurs zu bringen. Die in 17 Arbeitsgruppen erarbeitete Abschlusserklärung beinhaltet die Kernforderungen einer Emissionsreduktion der größten Verschmutzerstaaten um 50 Prozent bis 2020, die Einrichtung eines internationalen Klimagerechtigkeitstribunals und ein globales Referendum über eine Änderung der Wirtschaftsordnung. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac forderte die Anerkennung der Klimaschuld der Industrieländer gegenüber den Ländern des Südens. "Die Verursacher des Klimawandels müssen für die Schäden aufkommen. Während der größte Teil der CO2-Emissionen im globalen Norden emittiert wird, sind die Menschen im globalen Süden viel schlimmer betroffen. Die reichen Industrienationen mögen mit den Ergebnissen aus Kopenhagen leben können. Für Länder, die schon heute mit immer häufigeren Dürren und Überschwemmungen zu kämpfen haben, bedeutet das Versagen von Kopenhagen allerdings eine Katastrophe“, so Nino David Jordan von der bundesweiten Attac-Arbeitsgruppe Energie, Klima, Umwelt EKU).


6 Weltbank
6. Weltbank: Fortschritte und Defizite bei MDG-Umsetzung
Weltbank
Nach Aussagen der Weltbank wurde in den letzten zehn Jahren beachtlicher Fortschritt auf dem Weg zur Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele erreicht. Dies geht aus den diesjährigen Weltentwicklungsindikatoren hervor, die die Weltbank jährlich zu Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Armut, Umwelt und Handel veröffentlicht. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der Indikatoren auf den Millenniumsentwicklungszielen (MDG). Trotz der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise ist das Ziel, den Anteil der Menschen, die in Armut leben, um die Hälfte zu reduzieren, nach Einschätzung der Weltbank in mehreren Entwicklungsregionen noch immer erreichbar. Asien gilt als besonders positives Beispiel, während die Verwirklichung von MDG 1 zur Halbierung des Anteils der Menschen, die weniger als einen US-Dollar am Tag zur Verfügung haben, in Sub-Sahara Afrika voraussichtlich nicht erreicht wird. Große Unterschiede gibt es auch zwischen den einzelnen Staaten: Nur 49 der 87 Länder, über die Daten vorliegen, werden dieses Ziel erreichen. 41 Prozent der Menschen in Niedrig- oder Mitteleinkommensländern leben in Staaten, in denen MDG 1 nicht bis zum Jahr 2015 umgesetzt werden wird. Positive Entwicklungen gibt es hingegen bei der Verwirklichung der allgemeinen Primarschulbildung, der Reduzierung der Kindersterblichkeit und der Verbesserung der Gesundheit von Müttern. Während mehr Menschen verbesserten Zugang zu Wasser haben und mehr als 65 Entwicklungsländer daran arbeiten, die Anzahl der Menschen, die keinen Zugang zu Wasser hat, zu halbieren, können über 1,5 Milliarden Menschen keine sanitären Anlagen nutzen. Finanzielle Hilfeleistungen von Mitgliedern des Entwicklungsausschusses der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD-DAC) sind gestiegen, jedoch erreichen diese auch nach weiteren Erhöhungen in diesem Jahr nicht die Zusagen, die vor fünf Jahren gemacht wurden.


7. Fian Landraub
7. FIAN kritisiert Landraub und Vertreibung
Fian Landraub

- © salomon10
Anlässlich der Veröffentlichung einer Studie über die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Bereich der Landpolitik hat die Menschenrechtsorganisation FIAN auf die gravierenden negativen Folgen des großflächigen Ausverkaufs von Land in Entwicklungsländern, auch „Land Grabbing“ genannt, aufmerksam gemacht. Ein trauriges Beispiel ist FIAN zufolge Kambodscha. Dort sind Landkonflikte und Vertreibungen Alltag, etwa drei Millionen Hektar Land wurden in den letzten Jahren an nationale Eliten und Investoren verteilt. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, die seit vielen Jahren im Landsektor Kambodschas engagiert ist, unterstützt zwar die Vergabe von Landtiteln an die Bevölkerung vor Ort. Haben aber Investoren und Eliten ein Auge auf ein Stück Land geworfen, wird dies von der Vergabe ausgeklammert. FIAN sieht die große Gefahr, dass sich die Bundesregierung damit unfreiwillig zum Gehilfen von Landraub und Vertreibung macht. „Die deutsche Politik muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten diesem Ausverkauf aktiv und konsequent entgegentreten. Nur so wird sie ihrem eigenen Mandat, der Hunger- und Armutsbekämpfung gerecht“, erklärte Roman Herre, Agrarreferent von FIAN und Autor der Studie.
In Anschluss an die Frühjahrstagung veranstaltete die Weltbank eine Konferenz zur Landpolitik. Ziel dieser Veranstaltung war es, freiwillige Verhaltensregeln auf den Weg zu bringen, welche zwar die negativen Auswirkungen großflächiger Landnahmen eindämmen sollen, die Landnahme selbst aber nicht. Nach Ansicht der Weltbank sollen Investoren künftig sieben Prinzipien freiwillig beachten. Hierzu zählen die Respektierung der Rechte der bisherigen Nutzer von Land, Wasser und anderen Ressourcen, den Schutz und die Entwicklung des Lebensstandards der Haushalte und Kommunen durch das Angebot von Jobs und sozialen Dienstleistungen sowie den Schutz der Umwelt. NRO befürchten, dass dieser Vorstoß der Weltbank, sogenannte „Prinzipien zu verantwortungsvollen Investitionen in die Landwirtschaft“ zu etablieren, solche Landnahmen eher befördern, als sie verhindern. Über hundert zivilgesellschaftliche Organisationen weltweit haben sich in einer Erklärung gegen dieses „Weißwaschen von Landraub und Vertreibung“ ausgesprochen. FIAN fordert Bundesentwicklungsminister Niebel dazu auf, sicher zu stellen, dass die Weltbank-Initiative nicht von deutscher Seite unterstützt wird.


8. Agrarsubventionen
8. Kritik an Agrarsubventionen
Agrarsubventionen

- © alles-schlumpf
Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat Ende April die deutschen Empfänger europäischer Agrarsubventionen im Jahr 2009 veröffentlicht. Die Zahlen zeigen, dass der Molkereikonzern Nordmilch im Haushaltsjahr 2009 mit 51,15 Millionen Euro der größte deutsche Empfänger von EU-Förderungsmitteln war. NRO äußerten sich kritisch zu dieser Förderpraxis. Ein breites Bündnis unterschiedlicher Verbände aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt- Natur-, Tier- und Verbraucherschutz sowie der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit kritisierte, dass die derzeit 55 Milliarden Euro EU-Agrarsubventionen im Jahr vor allem wenigen Großbetrieben der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie zu Gute kommen. Die Verbände forderten Bundesagrarministerin Ilse Aigner auf, die geplante Reform der europäischen Agrarpolitik und die Neuverteilung der EU-Agrarunterstützungen nicht zu blockieren. Die Probleme des weltweiten Hungers und die von der Landwirtschaft verursachten ökologischen und sozialen Probleme ließen sich nur lösen, wenn das bisherige System der EU-Agrarsubventionen grundlegend verändert wird. Eine einseitige Produktions- und Exportsteigerung dürfte nicht als Rechtfertigung zur Bekämpfung des weltweiten Hungers dienen, so das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR. Billigimporte aus der EU verdrängen in den Entwicklungsländern die heimische Produktion von Grundnahrungsmitteln. Das gefährde nicht nur das Recht auf Nahrung und das Einkommen der Kleinbauern, sondern stärkt auch die Abhängigkeit von Importen und schwankenden Weltmarktpreisen für Lebensmittel.
Greenpeace und Oxfam kritisierten in einem offenen Brief an Ilse Aigner die Veröffentlichungspraxis der EU-Agrarsubventionen auf der Homepage www.agrar-fischerei-zahlungen.de und forderten Transparenz über die konkrete Verwendung von EU-Zahlungen aus dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL) und dem europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Der Zugang zu umfassenden Informationen und die Transparenz behördlicher Entscheidungen sind den Organisationen zufolge eine wichtige Voraussetzung für die effektive Wahrnehmung von Bürgerrechten und für eine lebendige Demokratie. Auch für die Rechtfertigung der Verwendung von Steuergeldern für die Landwirtschaft und für die gesellschaftliche Diskussion sind detailliertere Angaben notwendig. Zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit der Homepage wird unter anderem eine Gliederung der Abfrage in einzelne Bundesländer vorgeschlagen, da die Subventionen Ländersache sind.


9. Mütter
9. Müttersterblichkeit leicht gesunken
Mütter
Aus einer Studie der britischen Medizinzeitschrift The Lancet geht hervor, dass seit 1980 deutliche Fortschritte bei der Verbesserung der weltweiten Müttergesundheit erzielt wurden. Während es 1980 zu durchschnittlich 422 Todesfällen bei 100.000 Geburten kam, sank die Zahl auf 251 Todesfälle im Jahr 2008. 23 Länder, darunter Ägypten, China, Ecuador und Bolivien, sind auf dem Weg, ihre Müttersterblichkeitsrate bis zum Jahr 2015 um 75 Prozent zu reduzieren und damit das fünfte MDG zu erreichen. Gleichzeitig zeigt die Studie, die in 181 Ländern durchgeführt wurde, jedoch auch deutliche regionale Ungleichheiten auf dem Weg zur Verwirklichung dieses Ziels auf. Besonders in den armen Ländern hat sich die Müttersterblichkeit kaum verringert, in Zimbabwe steigerte sie sich sogar um 5,5 Prozent. Mehr als die Hälfte der Todesfälle ereigneten sich 2008 in nur sechs Ländern: Indien, Nigeria, Pakistan, Afghanistan, Äthiopien und der Demokratischen Republik Kongo. Mit dem fünften MDG hat sich die Staatengemeinschaft darauf verständigt, die Müttersterblichkeitsrate zwischen 1990 und 2015 um 75 Prozent zu reduzieren. Die Verbesserung dieser Situation bleibt jedoch weltweit eine der großen Herausforderungen im Gesundheitssystem.


10. Malaria
10. Weltmalariatag
Malaria
Noch immer sterben jährlich 850.000 Menschen an Malaria. Darauf wies UNICEF-Exekutivdirektorin Ann M. Veneman aus Anlass des Weltmalariatages hin. Beinahe 90 Prozent der Toten fielen auf Afrika südlich der Sahara, der überwiegende Teil davon sind Kinder. UNICEF und die internationale Kampagne „Roll Back Malaria“ forderten in ihrem Bericht „Progress und Impact“ eine Verbesserung der Verfügbarkeit von Moskitonetzen, vor allem in den ländlichen Regionen Afrikas. Durch imprägnierte Moskitonetze konnten seit dem Jahr 2000 über 900.000 Menschen vor dem Tod infolge einer Malaria-Infektion bewahrt werden. Problematisch ist vor allem die medizinische Versorgung von malariakranken Kindern. Die Krankheit wird bei Ihnen oft zu spät bemerkt und mit unangemessenen Medikamenten behandelt. Obwohl die meisten afrikanischen Risikoländer Fortschritte beim Einsatz der ACT-Therapie (Artesiminin-based Combination Therapy) machen – 2009 wurden 160 Millionen Dosen ACT für Entwicklungsländer besorgt gegenüber 500.000 im Jahr 2000 –, muss der Einsatz im Kampf gegen Malaria drastisch verstärkt werden.
Laut Ärzte ohne Grenzen liegt es häufig an den Kosten für Prävention, Behandlung oder Transport, dass viele Menschen keine Möglichkeit haben, sich vor Malaria zu schützen. Medizinisch und organisatorisch sei es möglich, Malaria wirksam zu bekämpfen, nun müsse der politische Wille folgen. Die Organisation verwies auf die im November stattfindende Geberkonferenz des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose, der seit seiner Gründung im Jahr 2002 etwa 104 Millionen Moskitonetze und 108 Millionen Malaria-Behandlungen finanziert hat. Die Bundesregierung müsse nun politischen Willen zeigen und ihre Beiträge zum Globalen Fonds erhöhen.


kurz notiert
Kurz notiert
Einen Bericht zur Umsetzung internationaler Vereinbarungen zur Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit in den Ländern des Nordens hat das europäische NRO-Netzwerk EURODAD herausgegeben. Der Bericht „Towards more effective aid“ wurde von NRO-Vertreterinnen und Vertretern aus dem Süden verfasst und zeigt Herausforderungen und Hindernisse bei der Reform der Entwicklungszusammenarbeit auf.
Ein Toolkit des Netzwerks GenderCC – Women for Climate Justice soll zur Einbeziehung der Gender-Perspektive in die Klimapolitik beitragen. Es enthält Empfehlungen für geschlechtergerechte Technologietransfers und Finanzierungsmechanismen und führt in Methoden des Gender Mainstreaming in der Klimapolitik ein. Neben einer Präsentation von Daten und Fakten stellt dieses praktische Handbuch außerdem Prinzipien für eine gendersensible Kommunikation vor.
Umfangreiche Statistiken zu Themen wie Gesundheit, Wirtschaft und menschliche Entwicklung stellt die Weltbank seit April im Rahmen ihrer „Open Data Initiative“ frei zur Verfügung. Die Daten stehen in mehreren Sprachen bereit und waren bisher nur gegen Entgelt verfügbar.










